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Korsika 2000

Unsere Gäste sollen während der etwa sechs Monate dauernden Probezeit nicht nur regelmäßig die Heimabende besuchen, sondern sich nach Möglichkeit auch rege an unseren Fahrten und Lagern beteiligen. Nur so lässt sich der Zweck der Probezeit sinnvoll erfüllen, nämlich vor der endgültigen und bindenden Entscheidung über die unbefristete Mitgliedschaft in unserem Bund das Gruppen- und Fahrtenleben kennenzulernen.

Unser Fahrten- und Lagerleben ist bewusst und gewollt einfach; wir verzichten weitgehend auf Zivilisationskomfort und die Annehmlichkeiten der heutigen Konsumgesellschaft und wollen möglichst naturnah leben. Wir wollen damit bei den Mädchen einen Bewusstseinsprozess in der Hinsicht in Gang bringen, dass auch heute noch einfaches und freies Leben in der Natur möglich ist und man auf allerlei Annehmlichkeiten auch mal verzichten kann und soll. Elektrische Mobilgeräte bleiben daheim.

Daraus folgt, dass unsere Fahrten und Lager mit „Wochenend- und Ferienfreizeiten“ der Caritas, Arbeiterwohlfahrt oder „modernen“ Pfadfindergemeinschaften (DPSG) – ohne diese kritisieren zu wollen- nicht ohne weiteres vergleichbar sind. Die pädagogischen Zielsetzungen und Arbeitsweisen sind grundlegend verschieden.

Die Teilnahme an unseren Fahrten und Lagern, insbesondere aber an den Wanderfahrten, setzt einen Grad an „Sportlichkeit“, Selbständigkeit und Durchhaltevermögen voraus, der schon bei einer Siebenjährigen vorhanden sein kann, aber andererseits bei einem dreizehnjährigen Mädchen nicht unbedingt gegeben sein muss. Entscheidend ist, wie intensiv das Mädchen zu Hause an Herausforderungen herangeführt worden ist.

Die Entscheidung darüber, ob und wann ein Mädchen an einer Fahrt oder an einem Zeltlager teilnehmen kann, muss weitgehend von den Eltern des Gastes verantwortlich getroffen werden. Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, wollen wie einige Vorraussetzungen und praktische Anforderungen, die für die Teilnahme wichtig sind, aufzählen:

1.  Wenn wir mit dem ZELT auf Fahrt gehen, lagern wir nicht auf irgendwelchen Campingplätzen, weil dann ja nur eine Verlagerung des Komforts stattfindet , sondern wir suchen uns ruhige Plätze im oder am Wald. Feste sanitäre Einrichtungen sind demnach meistens nicht vorhanden. Wir waschen uns am Bach oder an einer selbst errichteten
Waschstelle. Als „Toilette“ dient das altbewährte WC = Wald-Closett, d.h. ein Donnerbalken (Trockenabort) oder – insbesondere bei wenigen Lagerteilnehmern – der „Spatengang“ in den Wald. Schon dies erfordert eine gewisse Umstellung. Pingeligkeit ist hier hinderlich.

2. Nur noch relativ selten fahren wir Pfadfinder heutzutage in JUGENDHERBERGEN. Die meisten davon sind eigentlich schon regelrechte Jugendhotels und verfügen über jeden Komfort. Übernachtungs- und Verpflegungskosten sind beträchtlich. Wir bevorzugen deshalb Hütten und einfache Heime mit Matratzenlagern, oft ohne elektrischen Strom, im Winter mit offenem Kamin oder Kohleöfen zu beheizen. Essens- und Schlafenszeiten können wir frei einteilen, niemand beschwert sich, wenn wir nach 22 Uhr noch immer nicht müde zum Singen sind oder spontan Lust zu einer Nachtwanderung verspüren.

3. Die Mädchen müssen in der Lage sein, sich selbständig und ohne fremde Hilfe sauberzuhalten und gründlich zu waschen, sich aus- und anzukleiden, zum richtigen Zeitpunkt schmutzige Wäsche gegen frische zu wechseln, sich bei Kälte warm, bei Hitze leicht zu bekleiden und sich vor Regen zu schützen. Sie müssen bereit sein, ,,Bettenbau“ zu
lernen, ihren Schlafplatz und Affen (Felltornister bzw. Rucksack) in Ordnung zu halten, die Übersicht über ihre mitgenommenen Sachen zu behalten, ihr Kochgeschirr selbst sauber zu spülen. Sie müssen wissen, dass nasse Textilien usw. zum Trocknen aufgehängt werden müssen und nicht in den Affen eingepackt werden dürfen. Wenn eine Vierzehnjährige nach der Großfahrt mit verschimmelter Kleidung zurückkommt, so wurde diese nicht von der Gruppenführerin nach ganz unten in den Rucksack gestopft und dort vergessen, sondern von ihr selbst.

4. Die Mädchen müssen selbst auf ihre Sachen, ihr Taschengeld und das ihnen anvertraute Gruppeneigentum aufpassen, damit möglichst nichts verloren geht. Sonst ist es nämlich weg.

5. Unsere VERPFLEGUNG auf Fahrt ist einfach, aber schmackhaft und reichhaltig. Ein Mädchen, das sich zu Hause jedoch nur sehr einseitig ernährt, das kaum etwas „mag“, muss sich umstellen, denn in der Gruppe kann nicht jede gefragt werden, was sie denn bitteschön zu speisen wünscht. Sind Vegetarier oder Veganer anwesend, so wird auf diese in der Hinsicht Rücksicht genommen, dass diese für die Gruppe kochen. Das macht es allen einfacher.

6. Die Mädchen sollten ihre Affen / ihren Rucksack zu Hause unbedingt selbst packen, denn nur so lernen sie es schließlich und nur so wissen sie überhaupt, was sie im einzelnen mitgenommen haben. Insbesondere bei Jüngeren ist natürlich die helfende Hand und der prüfende Blick von Vater oder Mutter bei aller Zurückhaltung sinnvoll. Das Einrollen des Schlafsackes in Poncho oder Zeltbahn erfordert aber schon etwas Übung und funktioniert auch in der Gruppe nicht ohne gegenseitige Hilfe. Weniger Gepäck ist immer von Vorteil!

7. Wichtig ist vor allem, dass das Mädchen weiß, dass das Zusammenleben in und mit der Gruppe gegenseitige Rücksichtnahme, Einordnungswillen und die Bereitschaft, Einzelinteresse zugunsten von Gruppeninteressen zurückzustellen, erfordert. All dies klappt in aller Regel problemlos, sofern es sich nicht um verwöhnte Prinzessinnen handelt. Den Sicherheitshinweisen der Gruppenführerin ist unbedingt Folge zu leisten.

Es wäre sicherlich hilfreich, wenn sie als Eltern diese Punkte mit ihrer Tochter in einem kurzen, ruhigem Gespräch erörtern würden. Wenn sich zum Beispiel unter den Teilnehmern einer Fahrt nur ein oder zwei Gäste befinden, ist es nicht immer möglich, alles jedes Mal wieder im Gruppenrahmen durchzuspielen. Worauf Sie sich als Eltern allerdings verlassen können, ist, dass die Fahrten- und Lagerleiter sowie die Gruppenführer Gäste, die erstmals mitfahren, ihr besonderes Augenmerk und ihre besondere Fürsorge widmen.

Auf der anderen Seite sollte ein Mädchen, das erstmals mit uns auf Fahrt geht, nicht mit Verhaltensregeln derart vollgestopft werden, dass eine Verunsicherung eintritt. Das allermeiste pendelt sich im Ablauf einer Fahrt ganz von selbst ein, und es sind schließlich nette Leute dabei, die helfen, unterstützen und aufpassen. Von Zeit zu Zeit führen wir Hagfahrten mit einfachen Anforderungen durch, die sich für Gäste besonders als Einstieg in das Fahrten- und Lagerleben eignen.

Das wichtigste Ziel der Fahrt ist jedoch, dass jedes Mädchen eine für ihre Entwicklung förderliches Gemeinschaftserlebnis vermittelt bekommt, dass es neue Eindrücke erhält, Abenteuer erlebt, unbekannte Regionen und Menschen kennenlernt und ganz einfach SPAß an der Freiheit und dem schnickschnacklosem Abenteuer hat. Dies ist – auf einen Nenner gebracht – der tiefere Sinn jeder Fahrt und jeden Lagers.

Sollten Sie vor oder nach einer Fahrt irgendwelche Fragen haben, mit irgendetwas nicht zufrieden gewesen sein, Kritik haben, dann zögern Sie bitte nicht, sich an die Gruppenführerin ihrer Tochter oder an mich zu wenden.

Ein Hinweis explizit zu den dreiwöchigen Großfahrten: Finden diese als reine Wanderfahrt in ein fremdes Land mit Bergen und Hitze statt, so wird spätestens am dritten Tag die Frage auftauchen: „Warum tu ich mir das eigentlich an?“ Wenn das Mädchen hierauf keine Antwort findet, beispielsweise weil es gegen seinen Willen von den Eltern zu der Fahrt genötigt wurde, wird es für die Gruppenführer sehr schwierig. Bitte ersparen Sie uns und Ihrem Kind diese Situation und verzichten Sie auch darauf, es mit dem Gepäck „zu gut zu meinen“. Das Mädchen schleppt alles selber, jeden Tag. Jeden Tag. Und den danach auch noch. Und den darauf auch. Und das ganze 21 Tage lang.

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